Das Evangelium nach Markus

Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, wie geschrieben steht in den Propheten: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bereiten wird. Es ist die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn, macht seine Pfade eben. Johannes, war in der Wüste, taufte und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Und das ganze Land Judäa und alle Einwohner Jerusalems kamen zu ihm, und ließen sich von ihm im Jordan taufen und bekannten ihre Sünden. Johannes war bekleidet mit Kamelhaar und er trug einen Ledergürtel um seine Lenden; und er aß Heuschrecken und wilden Honig. Er predigte und sprach: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich, und ich bin nicht würdig, mich vor ihm zu beugen, um die Riemen seiner Sandalen zu lösen. Ich taufe euch mit Wasser, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und sobald er aus dem Wasser stieg, sah er den Himmel sich öffnen und den Geist wie eine Taube auf ihn herabkommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. Und sofort trieb ihn der Geist in die Wüste. Und er blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde von dem Satan versucht und lebte unter den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, kam Jesus nach Galiläa und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Er sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahegekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, seinen Bruder, die ihre Netze in den See warfen, denn sie waren Fischer. Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach und ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. Und als er von da ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes, die in ihrem Schiff Netze flickten; und sofort rief er sie. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern im Schiff und folgten ihm nach. Und sie gingen nach Kapernaum; und sogleich, am Sabbat, ging er in die Synagoge und lehrte. Und sie waren beeindruckt von seiner Lehre, denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten. In ihrer Synagoge war ein Mensch, der von einem unreinen Geist besessen war, der schrie und sprach: Halt, was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Sei still und fahre aus von diesem Menschen! Da erschütterte ihn der unreine Geist heftig, schrie laut und fuhr aus von ihm. Und alle waren erstaunt und fragten sich: Was hat das zu bedeuten? Was ist das für eine neue Lehre? Er gebietet mit Vollmacht den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm. Und sein Gerücht verbreitete sich in dem ganzen galiläischen Land. Sogleich verließen sie die Synagoge und gingen mit Jakobus und Johannes zum Haus von Simon und Andreas. Simons Schwiegermutter lag mit Fieber im Bett, und sie erzählten ihm von ihr. Und er ging zu ihr, richtete sie auf und nahm sie bei der Hand; und da verließ sie das Fieber, und sie diente ihnen. Als es Abend wurde, nach Sonnenuntergang, brachte man alle Kranken und Besessenen zu ihm; die ganze Stadt versammelte sich vor der Tür. Und er heilte viele Kranke, die an verschiedenen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus, und er erlaubte den Dämonen nicht zu sprechen, denn sie kannten ihn. Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und begab sich an einen einsamen Ort und betete dort. Und Simon und die anderen, die mit ihm waren, eilten ihm nach. Und als sie ihn gefunden hatten, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns in die benachbarten Städte gehen, damit ich auch dort predige, denn dazu bin ich gekommen. Und er predigte in den Synagogen ganz Galiläas und trieb die Dämonen aus. Da kam ein Aussätziger zu ihm, flehte ihn an, kniete vor ihm nieder und sagte: Wenn du willst, kannst du mich reinigen. Und Jesus hatte Mitleid mit ihm, streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will, sei rein! Während er noch redete, verschwand die Lepra von ihm, und er wurde rein. Und er wies ihn streng zurecht, schickte ihn gleich weg und sagte zu ihm: Siehe zu, sage niemandem etwas, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Stattdessen jedoch ging er hinaus und begann, es zu erzählen und zu verbreiten, sodass er nicht mehr öffentlich in die Stadt kommen konnte, sondern er blieb draußen an einsamen Orten, und die Menschen kamen zu ihm von allen Enden. Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Haus war. Und sogleich versammelten sich viele, sodass selbst vor der Tür kein Platz mehr war; und er verkündete ihnen das Wort. Und einige kamen zu ihm und brachten einen Gelähmten, der von vier Männern getragen wurde. Da sie aber wegen der Menge nicht zu ihm kommen konnten, deckten sie das Dach ab, wo er war, und nachdem sie es aufgebrochen hatten, ließen sie das Bett, auf dem der Gelähmte lag, hinunter. Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Aber es saßen einige Schriftgelehrte da und dachten in ihren Herzen: Wie kann dieser Mensch so lästerlich reden? Wer kann Sünden vergeben, außer Gott allein? Und Jesus erkannte sofort in seinem Geist, dass sie so bei sich dachten, und er sprach zu ihnen: Warum denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden, sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und sogleich stand er auf, nahm sein Bett und ging vor allen hinaus, sodass sie alle erstaunten und Gott priesen und sprachen: So etwas haben wir noch nie gesehen! Und er ging wieder hinaus an den See; und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie. Und als Jesus vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach. Und es begab sich, als er in seinem Hause zu Tisch saß, dass sich auch viele Zöllner und Sünder mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch setzten; denn es waren viele, die ihm nachfolgten. Und als die Schriftgelehrten und Pharisäer sahen, dass er mit den Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Warum isst und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern? Als Jesus das hörte, sagte er zu ihnen: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten. Nun fasteten die Jünger des Johannes und die Pharisäer oft, und einige von ihnen kamen und sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht? Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. Aber die Zeit wird kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten. Niemand näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid, denn der neue Stoff löst sich doch ab vom alten und der Riss wird schlimmer. Und niemand füllt neuen Wein in alte Weinschläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben; sondern neuer Wein muss in neue Weinschläuche gefüllt werden. Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und während sie gingen, fingen seine Jünger an, Ähren abzupflücken. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Siehe, warum tun deine Jünger etwas, was am Sabbat nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und Hunger litt, er und die, die bei ihm waren? Wie er in den Tagen des Hohepriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die niemand essen durfte, außer den Priestern und auch denen davon gab, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbat willen. So ist der Menschensohn auch Herr über den Sabbat. Und er ging wieder in die Synagoge. Und dort war ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. Und sie beobachteten ihn, um zu sehen, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie einen Grund hätten, ihn anzuklagen. Und er sagte zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Tritt hervor! Und er sprach zu ihnen: Ist es am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses zu tun, das Leben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen. Da blickte er sie zornig an, betrübt über die Verhärtung ihrer Herzen, und sagte zu dem Mann: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wieder gesund wie die andere. Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten sofort Rat mit den Dienern des Herodes, wie sie ihn umbringen könnten. Jesus aber zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück, und eine große Menge folgte ihm nach: aus Galiläa und Judäa und aus Jerusalem und Idumäa und von jenseits des Jordan und aus der Umgebung von Tyrus und Sidon, eine große Menge, die von seinen Taten gehört hatten, und sie kamen zu ihm. Und er sprach zu seinen Jüngern, dass sie ihm ein Schiff bereithielten, um des Volkes willen, damit sie ihn nicht drängten. Denn er heilte viele, sodass alle, welche Plagen hatten, sich auf ihn stürzten, um ihn zu berühren. Und sobald die unreinen Geister ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und riefen: Du bist Gottes Sohn! Aber er verbot ihnen streng, ihn bekannt zu machen. Und er stieg auf den Berg, und rief zu sich, welche er wollte, und sie kamen zu ihm. Und er setzte zwölf ein, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussandte, zu predigen und mit der Vollmacht, Krankheiten zu heilen und die Dämonen auszutreiben. Und er gab Simon den Beinamen Petrus; Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und gab ihnen den Namen Boanerges, das heißt Söhne des Donners; und Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon von Kana und Judas Iskariot, der ihn auch verriet. Und sie kamen nach Hause, und wieder versammelte sich das Volk, sodass sie nicht einmal essen konnten. Als seine Verwandten davon erfuhren, gingen sie hinaus, um ihn zu holen, denn sie sagten: Er ist von Sinnen. Die Schriftgelehrten aber, die aus Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebul besessen, und durch den Fürsten der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Jesus aber rief sie zu sich und sprach zu ihnen in Gleichnissen: Wie kann ein Satan den anderen austreiben? Wenn ein Reich mit sich selbst uneins ist, so kann es nicht bestehen. Und wenn ein Haus mit sich selbst uneins ist, so kann es nicht bestehen. Wenn nun der Satan gegen sich selbst kämpft und mit sich selbst uneins ist, so kann er nicht bestehen, sondern es ist aus mit ihm. Niemand kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Besitz rauben, es sei denn, dass er zuvor den Starken fesselt und dann erst wird er sein Haus berauben. Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Menschenkindern vergeben werden, sogar die Lästerungen, mit denen sie Gott lästern; wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewiglich, sondern ist des ewigen Gerichts schuldig. Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist. Da kamen seine Mutter und seine Brüder und blieben draußen stehen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn herum. Und sie sagten zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich. Er antwortete ihnen: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die, die um ihn herum saßen, und sagte: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter. Und er begann wieder am See zu lehren. Und da sich eine große Menschenmenge um ihn versammelt hatte, stieg er in ein Schiff und setzte sich; und die ganze Menge stand am Ufer. Und er predigte ihnen lange in Gleichnissen und in seiner Predigt sprach er zu ihnen: Hörtet zu! Siehe, der Sämann ging aus, zu säen. Und es geschah, indem er säte, fiel etliches an den Weg, und die Vögel des Himmels kamen und fraßen es auf. Und anderes fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Und als die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzeln hatte, verdorrte es. Und anderes fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen empor und erstickten es, und es brachte keine Frucht. Und anderes fiel auf gutes Erdreich und brachte Frucht, einiges dreißigfach, und einiges sechzigfach, und einiges hundertfach. Und er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Und als er allein war, fragten ihn die um ihn waren samt den Zwölfen über das Gleichnis. Und er sprach zu ihnen: Euch ist es gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes zu erkennen, denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, auf dass sie mit sehenden Augen sehen, und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören, und doch nicht verstehen, auf dass sie sich nicht bekehren und ihnen ihre Sünden vergeben werden. Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr dieses Gleichnis nicht? Wie wollt ihr dann die anderen alle verstehen? Der Sämann sät das Wort. Diese sind es, die am Wegrand stehen: Wo das Wort gesät wird und sie es gehört haben, so kommt sofort der Satan und nimmt das Wort weg, das in ihr Herz gesät war. Gleicherweise sind auch die, bei welchen auf das Steinige gesät ist: wenn sie das Wort gehört haben, es sogleich mit Freuden aufnehmen und sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Trübsal oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, nehmen sie sogleich Anstoß. Und diese sind es, bei welchen unter die Dornen gesät ist, die das Wort hören, und die Sorgen dieser Welt und der betrügerische Reichtum und viele andere Begierden dringen ein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht. Und diese sind es, bei welchen auf gutes Land gesät ist: die das Wort hören und nehmen es an und bringen Frucht, einige dreißigfach, andere sechzigfach und andere hundertfach. Und er sprach zu ihnen: Zündet man auch ein Licht an, um es unter einen Scheffel oder unter einen Tisch zu stellen? Nein, sondern man stellt es auf einen Leuchter. Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Heimliches, das nicht bekannt wird. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Und er sprach zu ihnen: Gebt acht auf das, was ihr hört. Mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch gemessen werden, und noch mehr wird euch gegeben werden, ihr, die ihr hört. Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er hat. Weiter sprach er: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen auf das Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag, und der Same geht auf und wächst, er selbst weiß nicht wie. Denn die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst das Gras, dann die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, schickt er bald die Sichel hin, denn die Ernte ist da. Und er sprach: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, und mit welchem Gleichnis sollen wir es darstellen? Es ist wie ein Senfkorn, das, wenn es auf die Erde gesät wird, das Kleinste ist unter allen Samen auf der Erde; und wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als alle anderen Gartengewächse und treibt große Zweige, sodass die Vögel des Himmels unter seinem Schatten nisten können. Und durch viele ähnliche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, je nachdem, wie sie es zu hören vermochten. Und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen; aber seinen Jüngern legte er alles besonders aus. Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns auf die andere Seite hinüberfahren. Und nachdem sie das Volk entlassen hatten, nahmen sie ihn mit, wie er da im Schiff war und es waren aber auch andere Schiffe bei ihm. Und es erhob sich ein großer Sturm, und die Wellen schlugen in das Schiff, sodass es sich schon mit Wasser füllte. Er aber lag hinten auf einem Kissen und schlief. Und sie weckten ihn auf und sagten zu ihm: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, bedrohte den Wind und sagte zum See: Schweig, verstumme! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. Und er sagte zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Wie, habt ihr keinen Glauben? Und sie fürchteten sich sehr und sprachen zueinander: Wer ist dieser, dass sogar der Wind und der See ihm gehorsam sind? Und sie kamen jenseits des Sees in die Gegend der Gadarener. Und als er aus dem Schiff trat, lief ihm augenblicklich ein besessener Mensch aus den Gräbern entgegen, mit einem unsauberen Geist, der seine Wohnung in den Gräbern hatte; und niemand konnte ihn binden, auch nicht mit Ketten. Denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen, und hatte die Ketten zerrissen und die Fesseln zerrieben; und niemand konnte ihn bändigen. Und er war allezeit, Tag und Nacht, auf den Bergen und in den Gräbern, schrie und schlug sich mit Steinen. Als er Jesus von weitem sah, lief er zu ihm, fiel vor ihm nieder, schrie laut und sprach: Was habe ich mit dir zu tun, o Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, dass du mich nicht quälst! Denn er sprach zu ihm: Fahre aus, du unreiner Geist, von diesem Menschen! Und er fragte ihn: Wie heißt du? Und er antwortete und sprach: Legion heiße ich; denn wir sind viele. Und er bat ihn sehr, dass er sie nicht aus der Gegend triebe. Und es war dort an den Bergen eine große Herde Schweine auf der Weide. Und die Dämonen flehten ihn an und sprachen: Lass uns in die Schweine fahren! Und sogleich erlaubte Jesus es ihnen. Da fuhren die unreinen Geister aus und fuhren in die Schweine; und die Herde stürzte sich den Abhang hinunter in den See (es waren etwa zweitausend), und ertranken im See. Und die Schweinehirten flohen und erzählten es in der Stadt und auf dem Land. Und sie gingen hinaus, um zu sehen, was da geschehen war, und kamen zu Jesus und sahen den, der von den Dämonen besessen gewesen war, dass er da saß, bekleidet und vernünftig, und sie fürchteten sich. Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, was mit dem Besessenen geschehen war und von den Schweinen. Und sie fingen an und baten ihn, aus ihrer Gegend wegzugehen. Und als er in das Schiff stieg, bat ihn der Besessene, dass er bei ihm sein dürfe. Aber Jesus ließ es nicht zu, sondern sprach zu ihm: Geh hin in dein Haus und zu den deinen und verkündige ihnen, welch große Wohltat dir der HERR getan und sich deiner erbarmt hat. Und er ging hin und fing an, in den zehn Städten zu verkünden, welch große Wohltat Jesus ihm getan hatte; und jedermann verwunderte sich. Und als Jesus in dem Schiff wieder an das jenseitige Ufer hinübergefahren war, versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn, und er war am See. Und siehe, da kam einer von den Obersten der Synagoge mit Namen Jairus; und als er ihn sah, fiel er ihm zu Füßen und bat ihn inständig und sprach: Meine Tochter liegt im Sterben; Komm und lege deine Hand auf sie, damit sie gesund wird und am Leben bleibt. Und er ging hin mit ihm; und eine große Menschenmenge folgte ihm nach und bedrängte ihn. Und da war eine Frau, die hatte seit zwölf Jahren Blutungen und hatte viel erlitten von vielen Ärzten und hatte all ihr Vermögen dafür verbraucht, und es half ihr nichts, sondern es wurde eher schlimmer mit ihr. Als sie nun von Jesus hörte, kam sie von hinten in der Menge heran und berührte sein Gewand. Denn sie sprach: Wenn ich nur sein Gewand berühre, so werde ich gesund werden. Und sogleich versiegte der Brunnen ihres Blutes; und sie fühlte an ihrem Leib, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Und Jesus bemerkte sogleich an sich selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war, und wandte sich um zum Volk und sprach: Wer hat mein Gewand berührt? Und die Jünger sprachen zu ihm: Du siehst, dass dich das Volk drängt, und sprichst: Wer hat mich berührt? Und er sah sich um nach der, die das getan hatte. Das Weib jedoch fürchtete sich und zitterte, denn sie wusste, was an ihr geschehen war, kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er aber sprach zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; gehe hin mit Frieden und sei gesund von deiner Plage! Als er noch so redete, kamen einige von den Dienern des Synagogenvorstehers und sprachen: Deine Tochter ist gestorben; was bemühst du weiter den Meister? Jesus aber hörte sogleich die Rede, die gesagt wurde, und sprach zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht, glaube nur! Und er erlaubte niemand ihn zu begleiten außer Petrus und Jakobus und Johannes, dem Bruder des Jakobus. Und er kam in das Haus des Obersten der Synagoge und sah das Getümmel und die, die weinten und heulten. Und er ging hinein und sprach zu ihnen: Was macht ihr für ein Getümmel und weint? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie lachten ihn aus. Und er trieb sie alle hinaus und nahm mit sich den Vater des Kindes und die Mutter, die bei ihm waren, und ging hinein, wo das Kind lag, und er ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihr: Talitha kumi! Das bedeutet übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher; es war nämlich zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich über die Maßen. Und er gebot ihnen dringend, dass niemand davon erfahren sollte, und sagte, sie sollten ihr zu essen geben. Und er ging von dort weg und kam in seine Heimatstadt, und seine Jünger folgten ihm nach. Und als der Sabbat kam, begann er in ihrer Synagoge zu lehren. Und viele, die ihn hörten, waren erstaunt über seine Lehre und sagten: Woher hat dieser Mann solche Weisheit und die Kraft, solche Wunder zu vollbringen? Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn Marias und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Und sind seine Schwestern nicht hier bei uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm. Aber Jesus sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Heimat und unter seinen Verwandten. Und er konnte dort keine Wunder tun, außer dass er einigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte. Und er verwunderte sich über ihren Unglauben. Und er zog durch die Dörfer und lehrte. Und er rief die Zwölf und begann, sie zu zwei und zwei auszusenden, und er gab ihnen Macht über die unreinen Geister; und gebot ihnen, nichts mit auf den Weg zu nehmen außer einem Stab, keine Tasche, kein Brot, kein Geld im Gürtel; sondern nur Sandalen an den Füßen und dass sie nicht zwei Gewänder anzögen. Und er sprach zu ihnen: Wo immer ihr in ein Haus kommt, bleibt dort, bis ihr von dort weiterzieht. Und welcher Ort euch nicht aufnehmen und wo man euch nicht hören will, so geht von dort weg und schüttelt den Staub von euren Füßen zum Zeugnis gegen sie. Wahrlich, ich sage euch: Es wird Sodom und Gomorra am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als jener Stadt. Und sie zogen hinaus und predigten, dass die Menschen Buße tun sollten und trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie. Und die Nachricht gelangte zu König Herodes - denn sein Name war nun bekannt geworden - und er sprach: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden, und deshalb wirken solche Kräfte in ihm. Einige aber sagten: Er ist Elia, und andere: Er ist ein Prophet oder einer der Propheten. Als Herodes das hörte, sagte er: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe, der auferstanden ist. Er ist von den Toten auferstanden. Denn Herodes hatte Johannes verhaften und ihn ins Gefängnis werfen lassen, wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, denn er hatte sie geheiratet. Johannes nämlich hatte zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben. Und Herodias hegte Groll gegen ihn und wollte ihn töten, konnte es aber nicht. Herodes jedoch fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war, und er beschützte ihn und hörte in vielen Dingen auf ihn und hörte ihm gern zu. Und es kam ein günstiger Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl für die Vornehmen und Befehlshaber und die führenden Männer von Galiläa gab. Da kam die Tochter der Herodias herein und tanzte, und sie gefiel Herodes und denen, die mit ihm zu Tisch saßen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte mich um was du willst, und ich werde es dir geben. Und er schwor ihr mit einem Eid: Was du auch von mir erbittest, ich werde es dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs. Da ging sie hinaus und fragte ihre Mutter: Um was soll ich bitten? Ihre Mutter sagte: das Haupt Johannes des Täufers. Sofort ging sie schnell zum König hinein und bat ihn: Ich möchte, dass du mir sofort das Haupt Johannes des Täufers auf einer Schale bringst. Und der König wurde sehr betrübt, aber wegen seines Eides und wegen derer, die mit am Tisch saßen, wollte er ihr den Wunsch nicht abschlagen. Und sogleich sandte der König den Henker und befahl, sein Haupt herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis und brachte sein Haupt auf einer Schale und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es seiner Mutter. Als seine Jünger das hörten, kamen sie und holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab. Und die Apostel kamen zu Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: Kommt mit mir an einen einsamen Ort und ruht euch ein wenig aus; denn es waren viele bei ihnen, und sie hatten nicht einmal Zeit zum Essen. Und er fuhr mit dem Schiff allein an einen einsamen Ort. Als das Volk sah, dass sie wegfuhren, erkannten ihn viele und liefen zu Fuß aus allen Städten herbei, kamen vor ihnen an und gingen zu ihm. Als Jesus ausstieg und die große Menge sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben, und er begann eine lange Predigt. Da nun der Tag schon weit fortgeschritten war, kamen seine Jünger zu ihm und sprachen: Dieser Ort ist einsam, und die Stunde ist schon weit fortgeschritten. Schick sie weg, damit sie in die Dörfer und in die Umgebung gehen und sich Brot kaufen können, denn sie haben nichts zu essen. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen wir hingehen und für zweihundert Denare Brot kaufen und ihnen zu essen geben? Er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Als sie es herausgefunden hatten, sagten sie: Fünf und zwei Fische. Und er befahl ihnen allen, sich in Gruppen auf das grüne Gras zu setzen. Und sie setzten sich in Gruppen zu je hundert und zu je fünfzig. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie ihnen austeilten; und auch die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt. Und sie sammelten zwölf Körbe voll mit den Brotresten und von den Fischen. Und die gegessen hatten, waren fünftausend Männer. Und sogleich nötigte er seine Jünger, in das Schiff zu steigen und vor ihm nach Bethsaida zu fahren, während er die Menge entließ. Und nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf den Berg, um zu beten. Und am Abend war das Schiff mitten auf dem See, und er war allein an Land. Und er sah, dass sie sich abmühten zu rudern, denn der Wind war ihnen entgegen. Und um die vierte Nachtwache kam er zu ihnen und ging auf dem See; und er wollte an ihnen vorübergehen. Als sie ihn aber auf dem See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien; denn sie sahen ihn alle und fürchteten sich. Und sogleich redete er mit ihnen und sprach: Seid guten Mutes, ich bin es; fürchtet euch nicht! Und er stieg zu ihnen ins Schiff, und der Wind legte sich. Und sie waren völlig erstaunt, denn sie hatten das mit den Broten nicht verstanden, sondern ihre Herzen waren verhärtet. Und als sie übergesetzt hatten, kamen sie in das Land Gennesaret und legten dort an. Und als sie aus dem Schiff stiegen, erkannten sie ihn sofort und liefen durch die ganze Umgebung und brachten die Kranken auf Betten, wo immer sie hörten, dass er war. Und wo immer er hinkam, in die Dörfer, Städte oder aufs Land, legten sie die Kranken auf die Straßen und baten ihn, dass sie nur den Saum seines Gewandes berühren dürften; und alle, die ihn berührten, wurden gesund. Da kamen die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, zu ihm. Und als sie sahen, dass einige seiner Jünger mit ungewaschenen Händen aßen, tadelten sie es. Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht vorher die Hände waschen, und halten sich so an die Überlieferungen der Ältesten. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, wenn sie sich nicht vorher waschen. Und es gibt viele andere Dinge, die sie zu halten angenommen haben, wie zum Beispiel das Waschen von Trinkgefäßen, Krügen, bronzenen Gefäßen und Tischen. Da fragten ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferungen der Ältesten, sondern essen mit ungewaschenen Händen? Er aber antwortete ihnen: Treffend hat Jesaja über euch Heuchler geweissagt, wie geschrieben steht: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich verehren sie mich, indem sie Lehren verkünden, die nichts als menschliche Gebote sind. Ihr habt Gottes Gebote verlassen und haltet weiterhin an menschlichen Bräuchen fest, etwa beim Waschen von Krügen und Trinkgefäßen; und desgleichen tut ihr viel. Und er sprach zu ihnen: Wohl fein habt ihr Gottes Gebote aufgehoben, auf daß ihr eure Überlieferungen haltet. Denn Mose hat gesagt: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, und Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Ihr aber lehrt: Wenn einer zu Vater oder Mutter spricht: Korban, das bedeutet, es ist von Gott gegeben, was dir von mir zugute kommen soll, der tut wohl. Und so laßt ihr ihn hinfort nichts mehr für seinen Vater oder seine Mutter tun und hebt Gottes Wort auf durch eure Überlieferungen, die ihr überliefert habt; und desgleichen tut ihr viel. Und er rief alle Leute zu sich und sprach zu ihnen: Hört mir alle zu und versteht dies: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn verunreinigen; sondern was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt ihn. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Und als er von der Menge nach Hause kam, fragten ihn seine Jünger nach diesem Gleichnis. Er aber sprach zu ihnen: Seid auch ihr so ​​unverständig? Versteht ihr denn noch nicht, dass nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn verunreinigen kann? Denn es dringt nicht ins Herz ein, sondern in den Magen, und es kommt auf natürliche Weise wieder heraus, wie es alle Speisereste reinigt. Und er sagte: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt ihn. Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen böse Gedanken: Ehebruch, Unzucht, Mord, Diebstahl, Habsucht, Bosheit, Betrug, Ausschweifung, Schlechtigkeit, Lästerung, Hochmut und Torheit. All dies Böse kommt von innen und macht die Menschen unrein. Und er stand auf und ging von dort in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und er ging in ein Haus und wollte nicht, dass es jemand erfuhr, aber er konnte doch nicht verborgen bleiben. Denn eine Frau, deren kleine Tochter von einem unreinen Geist besessen war, hatte von ihm gehört. Und sie kam und fiel ihm zu Füßen (sie aber war eine Griechin aus Syrophönizien) und bat ihn, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben. Jesus aber sagte zu ihr: Lasst zuerst die Kinder satt werden. Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen. Sie antwortete ihm: Ja, Herr, aber auch die Hunde unter dem Tisch fressen die Krümel der Kinder. Und er sprach zu ihr: »Um dieses Wortes willen geh hin; der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren.« Da ging sie in ihr Haus und fand den Dämon ausgefahren und ihre Tochter auf dem Bett liegend. Und als er das Gebiet von Tyrus und Sidon verlassen hatte, kam er nach Galiläa, an den See, mitten in das Gebiet der zehn Städte. Und sie brachten einen tauben und stummen Mann zu ihm und baten ihn, ihm die Hände aufzulegen. Und er nahm ihn beiseite aus dem Volk, steckte ihm die Finger in die Ohren, spuckte und bewegte seine Zunge, blickte zum Himmel auf, seufzte und sprach zu ihm: »Ephata!«, das heißt: »Öffne dich!« Und sogleich wurden seine Ohren geöffnet, und der Strang seiner Zunge löste sich, und er sprach deutlich. Und er gebot ihnen, niemandem davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen gebot, desto mehr verkündigten sie es. Und sie waren übermäßig erstaunt und sagten: »Er hat alle Dinge recht gemacht; die Tauben macht er hören und die Stummen reden.« Und zu jener Zeit, als sich eine große Menschenmenge versammelt und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus seine Jünger zu sich und sagte: Ich habe Mitleid mit den Menschen, denn sie sind nun schon drei Tage bei mir und haben nichts zu essen. Wenn ich sie jetzt ohne Essen wegschicke, werden sie unterwegs ohnmächtig werden, denn einige von ihnen sind von weit her gekommen. Und seine Jünger antworteten ihm: Wo sollen wir in dieser Wüste genug Brot herbekommen, um sie zu sättigen? Da fragte er sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben. Und er befahl der Menge, sich auf den Boden zu setzen. Und er nahm die sieben Brote, dankte Gott, brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie der Menge austeilten. Und sie teilten sie aus. Und sie hatten auch noch ein paar kleine Fischlein; und nachdem er Gott gedankt hatte, befahl er, auch diese auszuteilen. Und sie aßen alle und wurden satt; und sie sammelten die übriggebliebenen Brotstücke auf, sieben Körbe voll. Und es waren etwa viertausend, die gegessen hatten, und er schickte sie weg. Und sogleich stieg er mit seinen Jüngern in ein Schiff und kam in die Gegend von Dalmanuta. Und die Pharisäer gingen hinaus und begannen, ihn zu befragen, um ihn auf die Probe zu stellen, und sie verlangten ein Zeichen vom Himmel. Da seufzte er innerlich und sprach: Warum verlangt diese Generation ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Dieser Generation wird kein Zeichen gegeben werden. Und er verließ sie, stieg wieder in das Schiff und fuhr hinüber. Und sie hatten vergessen, Brot mitzunehmen, und hatten nichts weiter als ein einziges Brot im Schiff. Da gebot er ihnen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes! Und sie berieten hin und her und sagten zueinander: Deshalb haben wir kein Brot. Jesus aber, der das wusste, sprach zu ihnen: Warum seid ihr so ​​betrübt, weil ihr kein Brot habt? Habt ihr es denn immer noch nicht verstanden? Ist euer Herz immer noch verhärtet? Ihr habt Augen, und doch seht ihr nicht, und Ohren, und doch hört ihr nicht, und ihr erinnert euch nicht. Als ich die fünf Brote brach für die fünftausend, wie viele Körbe voll Brotstücken habt ihr aufgesammelt? Sie antworteten: Zwölf. Als ich die sieben Brote für die viertausend brach, wie viele Körbe voll Brotstücken habt ihr aufgesammelt? Sie antworteten: Sieben. Da sprach er zu ihnen: Wie kommt es, dass ihr es nicht versteht? Und er kam nach Bethsaida. Und sie brachten einen Blinden zu ihm und baten ihn, ihn zu berühren. Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn aus der Stadt hinaus; und er spuckte ihm in die Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehen könne. Und er blickte auf und sprach: Ich sehe Menschen umhergehen, wie Bäume. Danach legte er ihm abermals die Hände auf die Augen und er machte ihn wieder sehen; und er wurde wiederhergestellt und erkannte alle Dinge deutlich. Und er schickte ihn nach Hause und sprach zu ihm: Geh nicht in diese Stadt und erzähle es niemandem dort. Und Jesus ging mit seinen Jüngern auf die Marktplätze von Cäsarea Philippi, und auf dem Weg fragte er seine Jünger: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Manche für Johannes den Täufer, andere für Elia, wieder andere für einen der Propheten. Da fragte er sie: Und ihr? Für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Du bist der Christus! Und er gebot ihnen, niemandem von ihm zu erzählen. Dann begann er, sie zu lehren, dass der Menschensohn viel leiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen müsse. Und er sprach dies ganz offen aus. Da nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Doch Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus zurecht: Geh weg, hinter mich, Satan! Denn du denkst nicht an das Göttliche, sondern an das Menschliche. Und er rief die Menge mit seinen Jüngern zu sich und sprach zu ihnen: »Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es retten. Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, aber seine Seele zu verlieren? Oder was kann ein Mensch geben als Gegenwert für seine Seele? Denn wer sich vor diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln kommen wird.« Und er sagte zu ihnen: »Wahrlich, ich sage euch: Einige von denen, die hier stehen, werden den Tod nicht schmecken, bis sie das Reich Gottes mit seiner Macht kommen sehen.« Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und führte sie allein auf einen hohen Berg. Dort verwandelte er sich vor ihren Augen. Sein Gewand wurde weiß wie Schnee, so weiß, dass kein Färber auf Erden sie so weiß machen könnte. Und Elia erschien ihnen mit Mose und redete mit Jesus. Und Petrus antwortete Jesus: »Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten machen: eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.« Doch er verstand nicht, was er sagte, denn sie waren bestürzt. Und eine Wolke erschien und überschattete sie, und eine Stimme aus der Wolke sprach: »Dies ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!« Sofort blickten sie sich um und sahen niemanden bei sich außer Jesus. Und als sie vom Berg herabstiegen, gebot ihnen Jesus, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Und sie behielten die Sache für sich und fragten einander: Was ist denn diese Auferstehung von den Toten? Sie fragten ihn: Sagen nicht die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen muss? Er antwortete ihnen: Elia muss tatsächlich zuerst kommen und alles wiederherstellen. Deshalb muss der Menschensohn viel leiden und verachtet werden, wie geschrieben steht. Ich aber sage euch: Elia ist gekommen, und sie haben mit ihm getan, was sie wollten, wie es über ihn geschrieben steht. Und als er zu seinen Jüngern kam, sah er eine große Menschenmenge um sie herum und die Schriftgelehrten, die mit ihnen stritten. Als ihn alle sahen, staunten sie und liefen ihm entgegen. Er aber fragte die Schriftgelehrten: Warum streitet ihr mit ihnen? Einer aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht. Er ist von einem Dämon besessen, der ihn stumm macht. Immer wenn er ihn packt, zerreißt er ihn; er schäumt vor dem Mund, knirscht mit den Zähnen und verdorrt. Ich habe deine Jünger gebeten, ihn auszutreiben, aber sie konnten es nicht. Er antwortete ihm: Ihr ungläubige Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Da brachten sie ihn zu ihm. Und sogleich, als der Dämon ihn sah, riss er ihn hin und her; fiel zu Boden und wälzte sich schäumend vor dem Mund. Und er fragte seinen Vater: Wie lange hat er das schon? Der Vater antwortete: Von Kindheit an. Oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, um ihn zu vernichten. Wenn du etwas tun kannst, hab Erbarmen mit uns und hilf uns! Jesus sagte zu ihm: Wenn du glauben kannst! Alles ist möglich dem, der glaubt. Und sogleich schrie der Vater des Kindes unter Tränen auf und sagte: Ich glaube, Herr; hilf meinem Unglauben! Da nun Jesus sah, dass da Volk zulief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir, aus ihm auszufahren und nie wieder in ihn zu kommen! Der Geist schrie auf, schüttelte ihn heftig und fuhr aus. Und er lag da wie tot, sodass viele sagten: Er ist tot. Aber Jesus nahm ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. Und als er nach Hause zurückkehrte, fragten ihn seine Jünger unter vier Augen: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Er antwortete: Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausfahren. Und sie zogen von dort fort und reisten durch Galiläa, und er wollte nicht, dass es jemand erfuhr. Und er lehrte seine Jünger weiterhin und sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert werden, und sie werden ihn töten. Und wenn er getötet ist, wird er am dritten Tag auferstehen. Aber sie verstanden diese Worte nicht und wagten nicht, ihn zu fragen. Und er kam nach Kapernaum. Und als er im Haus war, fragte er sie: Worum habt ihr euch unterwegs gestritten? Sie aber schwiegen, denn sie hatten sich unterwegs darüber gestritten, wer der Größte sei. Und er setzte sich, rief die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und aller Diener sein. Und er nahm ein kleines Kind, stellte es mitten unter sie, umarmte es und sagte zu ihnen: Wer eines dieser Kinder in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat. Und Johannes antwortete ihm: Meister, wir sahen einen Mann, der in deinem Namen Dämonen austrieb, und er gehört nicht zu uns. Wir verboten es ihm, weil er nicht zu uns gehört. Jesus aber sagte: Verbietet es ihm nicht! Denn niemand tut etwas in meinem Namen und redet dann schlecht von mir. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns. Wer euch aber in meinem Namen einen Becher Wasser gibt, weil ihr zu Christus gehört, wahrlich, ich sage euch: Er wird seinen Lohn nicht verlieren. Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Sündigen verführt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde. Wenn dich deine Hand zum Sündigen verführt, hau sie ab! Es ist besser für dich, verstümmelt ins Leben einzugehen, als mit zwei Händen in die Hölle, ins ewige Feuer, zu fahren, wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt. Und wenn dich dein Fuß zum Sündigen verführt, hau ihn ab! Es ist besser für dich, lahm ins Leben einzugehen, als mit zwei Füßen in die Hölle, ins ewige Feuer, geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt. Und wenn dich dein Auge zum Sündigen verführt, reiß es aus! Es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als mit zwei Augen in das Feuer der Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt. Es muss ein Jeglicher mit Feuer gesalzen werden, und alles Opfer wird mit Salz gesalzen. Das Salz ist gut; wenn aber das Salz seine Würze verliert, womit wird man es wieder salzig machen? Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander. Und er stand auf und ging von dort in die Gegend von Judäa jenseits des Jordans. Und das Volk kam wieder in großer Zahl zu ihm, und wie es seine Gewohnheit war, lehrte er sie erneut. Da kamen die Pharisäer zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich von seiner Frau scheiden lassen dürfe, und sie wollten ihn auf die Probe stellen. Er aber antwortete: Was hat euch Mose geboten? Sie sagten: Mose hat erlaubt, dass ein Mann einen Scheidungsbrief ausstellt und sich scheiden lässt. Jesus antwortete ihnen: Wegen eurer Herzenshärte hat er euch dieses Gebot gegeben. Aber von Anfang an hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen. Und als er zu Hause war, fragten ihn seine Jünger erneut danach. Und er sagte zu ihnen: Wer sich von seiner Frau scheidet und eine andere heiratet, begeht Ehebruch an ihr; und wenn sich eine Frau von ihrem Mann scheidet und einen anderen heiratet, begeht auch sie Ehebruch. Da brachten sie kleine Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die Jünger aber wiesen die Träger ab. Als Jesus das sah, wurde er zornig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind annimmt, wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Und als er den Weg verließ, lief ein Mann zu ihm, kniete vor ihm nieder und fragte: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus aber sagte zu ihm: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein. Du kennst die Gebote: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht morden; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen; du sollst niemanden betrügen; ehre deinen Vater und deine Mutter. Er antwortete: Meister, all dies habe ich von Jugend auf gehalten. Jesus sah ihn an und liebte ihn. Eins fehlt dir noch, sagte er. Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm, folge mir nach und nimm dein Kreuz auf dich. Doch er war betrübt über das, was er gesagt hatte, und ging traurig weg, denn er war sehr reich. Jesus aber sah sich um und sagte zu seinen Jüngern: Wie schwer ist es für Reiche, in das Reich Gottes zu kommen! Und die Jünger waren über seine Worte erstaunt. Jesus aber antwortete ihnen erneut: Kinder, wie schwer ist es für die, die auf ihren Reichtum vertrauen, in das Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, für ein Schiffstau durch ein Nadelöhr zu gehen, als für einen Reichen, in das Reich Gottes zu kommen. Und sie waren noch erstaunter und sagten zueinander: Wer kann dann gerettet werden? Jesus blickte sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Petrus sagte zu ihm: Sieh, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: »Wahrlich, ich sage euch: Es gibt niemanden, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Frau, Kind oder Acker verlassen hat, der nicht in dieser Weltzeit Haus, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker empfangen wird, mitten unter Verfolgungen, und in der zukünftigen Weltzeit das ewige Leben.« Viele aber werden die Letzten sein, die die Ersten sind, und viele, die die Letzten sind, werden die Ersten sein. Auf ihrem Weg zogen sie hinauf nach Jerusalem. Jesus ging vor ihnen her, und sie staunten und folgten ihm voller Furcht. Und Jesus nahm die Zwölf erneut beiseite und sagte ihnen, was mit ihm geschehen würde: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert werden. Sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden ausliefern. Sie werden ihn verspotten, auspeitschen, anspucken und töten, und am dritten Tage wird er auferstehen. Da kamen Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns tust, worum wir dich bitten. Er fragte sie: Was wollt ihr, dass ich für euch tun soll? Sie antworteten: Lass uns in deiner Herrlichkeit zu deiner Rechten und zu deiner Linken sitzen. Jesus aber sagte zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, und mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Ja, wir können es. Jesus sagte zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde; aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken zu sitzen, das kann ich euch nicht gewähren, sondern nur denen, für die es bereitet ist. Als die Zehn das hörten, waren sie zornig auf Jakobus und Johannes. Jesus aber rief sie zu sich und sagte zu ihnen: Ihr wisst, dass die Herrscher der Erde sie unterdrücken und ihre Machthaber Gewalt ausüben. So soll es aber unter euch nicht sein. Vielmehr soll jeder, der unter euch groß sein will, euer Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. Und sie kamen nach Jericho. Und als Jesus, seine Jünger und eine große Menschenmenge Jericho verließen, saß ein blinder Mann namens Bartimäus, der Sohn des Timäus, am Wegrand und bettelte. Als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, schrie er laut: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! Viele ermahnten ihn zu schweigen, aber er schrie nur noch lauter: Sohn Davids, erbarme dich meiner! Da blieb Jesus stehen und rief ihn zu sich. Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost! Steh auf, er ruft dich! Da legte er seinen Mantel ab, stand auf und ging zu Jesus. Jesus fragte ihn: Was soll ich für dich tun? Der Blinde antwortete: Rabbi, ich möchte sehen können. Jesus sagte zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich geheilt. Und sogleich konnte er sehen und folgte Jesus auf dem Weg. Als sie sich Jerusalem näherten, nach Bethphage und Bethanien am Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger aus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt. Gleich am Eingang werdet ihr ein Fohlen finden, das dort angebunden ist und auf dem noch nie jemand gesessen hat. Bindet es los und bringt es her. Und wenn euch jemand fragt: ‚Warum tut ihr das?‘, dann antwortet: ‚Der Herr braucht es.‘ Und er wird es euch sofort schicken. Sie gingen also hin und fanden das Fohlen an der Wegkreuzung vor der Tür angebunden. Und sie banden es los. Einige der Umstehenden fragten: Warum bindet ihr das Fohlen los? Sie antworteten, wie Jesus ihnen befohlen hatte, und die Männer erlaubten es. Und sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Mäntel darauf, und er setzte sich darauf. Und viele andere breiteten ihre Mäntel auf dem Weg aus; einige schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Und diejenigen, die vorangingen und die ihnen folgten, riefen: Hosianna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Gepriesen sei das kommende Reich unseres Vaters David im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Und der Herr zog in Jerusalem ein, ging in den Tempel und sah sich alles an. Und am Abend ging er mit den Zwölfen nach Betanien. Und am nächsten Tag, als sie Betanien verließen, verspürte er Hunger. Da sah er in der Ferne einen Feigenbaum und ging hin, um zu sehen, ob er Früchte daran fände. Als er hinzukam, fand er nichts als Blätter, denn es war noch nicht die Feigenzeit. Jesus antwortete: Niemand soll mehr von dir essen ewiglich. Und seine Jünger hörten das. Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und trieb alle Händler und Käufer hinaus. Er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und er erlaubte niemandem, etwas durch den Tempel zu tragen. Und er lehrte sie und sprach: Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker heißen‘? Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht. Das kam den Schriftgelehrten und den Hohenpriestern zu Ohren, und sie suchten nach einem Weg, ihn zu töten. Aber sie fürchteten sich vor ihm, weil das ganze Volk über seine Lehre staunte. Und am Abend verließ er die Stadt. Und am Morgen, als sie vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum, der bis zur Wurzel verdorrt war. Da erinnerte sich Petrus daran und sagte zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Jesus antwortete ihnen: Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: ‚Heb dich empor und stürz dich ins Meer!‘, und nicht zweifelt in seinem Herzen, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, so wird es ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, worum ihr im Gebet bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch zuteilwerden. Und wenn ihr betet, vergebt allen, die ihr etwas nachtragt, damit euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Wenn ihr aber nicht vergebt, wird euch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen auch nicht vergeben. Und sie kamen wieder nach Jerusalem. Und als er im Tempel umherging, traten die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm und fragten ihn: Mit welcher Vollmacht tust du das? Und wer hat dir die Vollmacht dazu gegeben? Jesus antwortete ihnen: Auch ich habe eine Frage an euch: Beantwortet sie mir, und ich werde euch sagen, mit welcher Macht ich das tue. War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir! Da berieten sie sich und sagten: Wenn wir sagen, sie war vom Himmel, wird er sagen: ‚Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‘ Wenn wir aber sagen, sie war von Menschen, fürchten wir das Volk. Denn alle hielten Johannes für einen wahren Propheten. Und sie antworteten Jesus: Wir wissen es nicht. Jesus antwortete ihnen: So werde auch ich euch nicht sagen, aus welcher Macht ich das tue. Und er begann, in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mann pflanzte einen Weinberg, umgab ihn mit einem Zaun, grub eine Kelter, baute einen Turm und übergab es den Weingärtnern und zog übers Land. Und als die Zeit gekommen war, schickte er einen Knecht zu den Pächtern, um von ihnen einen Teil der Früchte des Weinbergs zu erhalten. Aber sie packten ihn, peitschten ihn aus und schickten ihn mit leeren Händen fort. Wieder schickte er einen anderen Knecht, und sie steinigten ihn und schickten ihn schmachvoll fort. Noch einmal schickte er einen, und sie töteten ihn. Und so ging es mit vielen anderen; einige peitschten sie aus, andere töteten sie. Nun hatte er einen Sohn, den er liebte, und zuletzt schickte er ihn zu ihnen und sprach: ‚Sie werden meinen Sohn achten.‘ Aber die Pächter sagten zueinander: ‚Das ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, dann gehört uns das Erbe.‘ Und sie packten ihn, töteten ihn und warfen ihn vor den Weinberg hinaus. Was wird nun der Besitzer des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Pächter umbringen und den Weinberg anderen geben. Habt ihr nicht diese Schriftstelle gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr getan, und es ist wunderbar in unseren Augen? Und sie suchten ihn zu greifen, aber sie fürchteten sich vor dem Volk, denn sie verstanden, dass er dieses Gleichnis auf sie erzählt hatte. So ließen sie ihn und gingen weg. Und sie sandten einige Pharisäer und Diener des Herodes, um ihn mit seinen eigenen Worten zu fangen. Und sie kamen und sagten zu ihm: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und dich um niemanden kümmerst, weil du nicht auf die Meinung der Menschen achtest, sondern den Weg Gottes auf die richtige Weise lehrst. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht? Er aber, da er ihre Heuchelei erkannte, sprach er zu ihnen: Warum versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, damit ich ihn sehe. Und sie brachten ihm. Da fragte er: Wessen Bild und Inschrift sind das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Jesus erwiderte ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie wunderten sich über ihn. Dann kamen die Sadduzäer zu ihm, die behaupten, es gäbe keine Auferstehung. Sie fragten ihn: Meister, Mose hat uns geschrieben: ‚Wenn der Bruder eines Mannes stirbt und hinterlässt seine Frau und keine Kinder, so soll sein Bruder seine Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen zeugen.‘ Nun gab es sieben Brüder. Der erste heiratete sie, starb aber und hinterließ keine Nachkommen. Der zweite heiratete sie, starb ebenfalls und hinterließ keine Nachkommen. Der dritte tat dasselbe. Alle sieben heirateten sie und hinterließen keine Nachkommen. Zuletzt starb auch die Frau. Nun, wenn sie auferstehen, wessen Frau wird sie unter ihnen sein? Denn sieben haben sie zur Frau gehabt. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ist es nicht also? Ihr irrt euch, weil ihr weder die Schriften noch die Macht Gottes kennt. Wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht und werden nicht verheiratet, sondern sind wie die Engel im Himmel. Was aber die Toten betrifft, dass sie auferstehen werden: Habt ihr nicht im Buch Mose am Dornbusch gelesen, wie Gott zu ihm sprach: ‚Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs‘? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Darum irrt ihr euch gewaltig. Da trat einer der Schriftgelehrten, der ihr Gespräch mitgehört hatte, zu ihm und sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte. Er fragte ihn: Welches ist das wichtigste Gebot von allen? Jesus antwortete ihm: Das wichtigste Gebot von allen ist: ‚Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist der Herr allein. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand und mit deiner ganzen Kraft.‘ Dies ist das wichtigste Gebot. Und das andere ist ihm gleich: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘ Es gibt kein anderes Gebot, das größer ist als diese. Der Schriftgelehrte sagte zu ihm: Meister, du hast wahrlich recht gesprochen; denn es gibt nur einen Gott, und keinen anderen neben ihm. Ihn zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzem Verstand, mit ganzer Seele und mit aller Kraft und seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Als Jesus aber sah, dass er vernünftig antwortete, sagte er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte, ihn weiter zu fragen. Und Jesus antwortete und sprach, während er im Tempel lehrte: Wie können die Schriftgelehrten sagen, dass der Christus der Sohn Davids ist? David selbst aber spricht durch den Heiligen Geist: ‚Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setz dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.‘ David nennt ihn seinen Herrn; wo ist er dann sein Sohn? Und eine große Volksmenge hörte ihm mit Freude zu. Und er lehrte sie und sprach zu ihnen: »Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie gehen in langen Gewändern umher und lassen sich gern auf den Marktplätzen grüßen und sitzen in den Synagogen und bei Festessen auf den Ehrenplätzen. Sie beuten die Häuser der Witwen aus und verrichten um ihrer selbst willen lange Gebete. Diese werden ein umso härteres Urteil empfangen.« Und Jesus setzte sich dem Opferkasten gegenüber und sah zu, wie die Leute Geld hineinwarfen. Viele Reiche warfen große Summen hinein. Da kam eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen ein, die zusammen einen Denar ergaben. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: »Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten geworfen als alle anderen. Denn sie alle haben von ihrem Überfluss gegeben, sie aber hat von ihrer Armut alles gegeben, was sie hatte, alles, was sie zu essen hatte.« Und als er den Tempel verließ, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Meister, sieh dir die Steine an! Was für ein Bauwerk! Und Jesus antwortete: Siehst du all dieses gewaltige Gebäude? Kein Stein wird auf dem anderen bleiben; alles wird niedergerissen werden. Und als er auf dem Ölberg gegenüber dem Tempel saß, fragten ihn Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas unter vier Augen: Sag uns, wann wird das alles geschehen? Und was wird das Zeichen sein, dass das alles vollendet ist? Jesus antwortete ihnen: Seht zu, dass euch niemand verführt! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und behaupten: ‚Ich bin der Messias!‘ Und sie werden viele verführen. Und wenn ihr von Kriegen und Kriegsgerüchten hört, fürchtet euch nicht! Das alles muss geschehen; aber das Ende ist noch nicht da. Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Und es wird Erdbeben an verschiedenen Orten geben und es wird eine teure Zeit und Schrecken sein. Dies ist erst der Anfang der Bedrängnisse. Ihr aber, seid auf der Hut! Denn man wird euch vor die Gerichte und Synagogen bringen, und ihr werdet ausgepeitscht und vor Fürsten und Könige geführt werden um meinetwillen, zum Zeugnis gegen sie. Und das Evangelium muss zuerst allen Völkern verkündet werden. Wenn sie euch also vor sie bringen und ausliefern, sorgt euch nicht darum, was ihr sagen sollt oder was ihr im Voraus planen sollt, sondern was euch in dem Augenblick eingegeben wird, das sprecht, denn nicht ihr seid es, die sprechen, sondern der Heilige Geist. Bruder wird Bruder dem Tod ausliefern und der Vater den Sohn. Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und ihnen zum Tod verhelfen, und ihr werdet von allen gehasst werden, um meines Namens willen. Wer aber bis zum Ende ausharrt, der wird gerettet werden. Wenn ihr aber den Greuel der Verwüstung (von dem der Prophet Daniel gesprochen hat) dort stehen seht, wo er nicht sein soll (wer das liest, der verstehe es!), dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen und wer auf dem Dach ist, soll nicht ins Haus hinuntergehen oder hineingehen, um etwas aus seinem Haus zu holen. Und wer auf dem Feld ist, der wende sich nicht um, um seine Kleidung zu holen. Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Betet, dass eure Flucht nicht im Winter geschieht. Denn in jenen Tagen werden solche Bedrängnisse sein, wie sie seit Anbeginn der Schöpfung Gottes nicht gewesen sind und auch nicht wieder sein werden. Und wenn der Herr jene Tage nicht verkürzt hätte, würde niemand gerettet werden; aber um seiner Auserwählten willen, die er erwählt hat, hat er jene Tage verkürzt. Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Christus! Seht, dort ist er!, so glaubt es nicht. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und Zeichen und Wunder tun, um, wenn es möglich wäre, selbst die Auserwählten zu verführen. Aber seid auf der Hut! Siehe, ich habe euch alles vorhergesagt. In jener Zeit, nach dieser Bedrängnis, werden die Sonne und der Mond ihren Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Menschensohn in den Wolken kommen sehen mit Macht und großer Herrlichkeit. Und dann wird er seine Engel aussenden und seine Auserwählten von den vier Himmelsrichtungen sammeln, von den Enden der Erde bis zu den Enden des Himmels. Lernt es vom Feigenbaum: Sobald seine Zweige weich werden und seine Blätter erscheinen, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. So ist es auch mit euch: Wenn ihr diese Dinge geschehen seht, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist, ja, er steht vor der Tür. Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis all dies geschehen ist. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden niemals vergehen. Doch von jenem Tag und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern allein der Vater. Seid wachsam und betet, denn ihr wisst nicht, wann die Zeit kommt. Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen durch ein Land ging. Er verließ sein Haus und übertrug seinem Diener die Verantwortung, einem jedem seine Aufgabe, und befahl dem Türhüter: Wache zu halten. Darum seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt – ob am Abend oder um Mitternacht oder beim Hahnenschrei oder am Morgen –, damit er nicht plötzlich kommt und euch schlafend antrifft. Was ich euch sage, sage ich allen: Seid wachsam! Zwei Tage später war Pessach, das Fest der ungesäuerten Brote. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, ihn durch eine List festzunehmen und zu töten. Doch sie sagten: Nicht während des Festes, damit es nicht zu einem Aufruhr unter dem Volk kommt! Und als er in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch lag, kam eine Frau mit einem Alabasterfläschchen voll kostbaren Nardenwassers. Sie zerbrach das Fläschchen und goss das Öl über sein Haupt. Einige aber waren empört und sagten: Wozu diese Verschwendung? Das Wasser hätte für mehr als dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden können. Und sie murrten über sie. Jesus aber sagte: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat etwas Wunderbares für mich getan. Die Armen habt ihr immer bei euch, und ihr könnt ihnen Gutes tun, wann immer ihr wollt; mich aber werdet ihr nicht immer haben. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib bereits für mein Begräbnis gesalbt. Wahrlich, ich sage euch: Wo immer dieses Evangelium in der ganzen Welt verkündet wird, wird auch von dem erzählt werden, was sie jetzt getan hat, zu ihrem Andenken. Und Judas Iskariot, einer der Zwölf, ging zu den Hohenpriestern, um ihn zu verraten. Als sie das hörten, freuten sie sich und versprachen ihm Geld. Und er suchte nach einer Möglichkeit, ihn zu verraten. Und am ersten Tag der Ungesäuerten Brote, als das Passahlamm geschlachtet wurde, fragten ihn seine Jünger: Wo sollen wir hingehen und das Passahlamm für dich zubereiten? Und er sandte zwei seiner Jünger aus und sprach zu ihnen: Geht in die Stadt. Dort wird euch ein Mann mit einem Wasserkrug begegnen; ihm folgt nach. Und wo immer er hineingeht, sagt dem Hausherrn: ‚Der Meister lässt fragen: Wo ist mein Gästezimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passahmahl essen kann?‘ Er wird euch einen großen, eingerichteten und für uns vorbereiteten Raum im Obergerschoss zeigen. So gingen seine Jünger hinaus und kamen in die Stadt und fanden alles so vor, wie er es ihnen gesagt hatte; und sie bereiteten das Passahmahl vor. Als es Abend wurde, kehrte er mit den Zwölfen zurück. Und während sie bei Tisch lagen und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch, der mit mir isst, wird mich verraten. Da wurden sie traurig und einer nach dem anderen zu ihm zu sagen: Doch nicht ich? [Und ein anderer sagte: »Doch nicht ich?«] Er aber antwortete und sprach zu ihnen: »Einer von den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel eintaucht. Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; aber wehe dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre besser für ihn, wenn er nie geboren worden wäre.« Und während sie aßen, nahm Jesus das Brot, segnete es, brach es und gab es ihnen mit den Worten: »Nehmt, das ist mein Leib.« Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihn ihnen, und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: »Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Wahrlich, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu jenem Tag, an dem ich es neu trinken werde im Reich Gottes.« Und nachdem sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Und Jesus sagte zu ihnen: »Ihr werdet euch alle ärgern, denn es steht geschrieben: ‚Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.‘ Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.« Petrus aber sprach zu ihm: »Auch wenn sich alle ärgern werden, ich werde es nicht tun.« Jesus sprach zu ihm: »Wahrlich, ich sage dir: Noch in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Er aber sagte noch eindringlicher: »Und wenn ich mit dir sterben müsste, ich werde dich niemals verleugnen.« Und sie sagten alle dasselbe. Und sie kamen an einen Ort namens Getsemane, und er sagte zu seinen Jüngern: »Setzt euch hier hin, während ich bete.« Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und begann, sehr bestürzt und beängstigt zu sein. Und er sprach zu ihnen: »Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Bleibt hier und wacht.« Und er ging ein wenig weiter und fiel zu Boden und betete, dass, wenn möglich, die Stunde an ihm vorübergehen möge. Und er sprach: »Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.« Und er kam zurück und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: »Simon, schläfst du? Konntest du nicht eine Stunde wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.« Und er ging wieder weg und betete und sprach dieselben Worte. Und als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn ihre Augen waren beschwert, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. Und er kam ein drittes Mal und sprach zu ihnen: »Schlaft nun und ruht euch aus. Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder ausgeliefert.« »Steht auf, lasst uns gehen; siehe, der mich überliefert ist nahe gekommen. Und sogleich, während er noch redete, trat Judas, einer der Zwölf, herzu, und mit ihm eine große Schar von den Hohenpriestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten, bewaffnet mit Schwertern und Stöcken. Der ihn aber überlieferte, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Der, den ich küsse, ist es; nehmt ihn fest und führt ihn sicher ab. Und als er kam, ging er sogleich auf ihn zu und rief: Rabbi, Rabbi!, und küsste ihn innig. Sie aber legten ihre Hände an ihn und ergriffen ihn. Einer aber von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert und schlug dem Diener des Hohenpriesters das Ohr ab. Und Jesus sagte zu ihnen: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und Knüppeln, um mich gefangen zu nehmen? Ich war täglich bei euch und habe im Tempel gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen; - aber auf dass die Schriften erfüllt werden. Und es verließen ihn alle und flohen. Und ein gewisser Jüngling folgte ihm, mit einem feinen Leinentuch um den Leib gehüllt; und die jungen Männer packten ihn. Doch er ließ das feine Leinentuch fahren und floh nackt vor ihnen. Und sie führten Jesus zum Hohenpriester, und alle Hohenpriester, Ältesten und Schriftgelehrten versammelten sich um ihn. Und Petrus folgte ihm in einiger Entfernung bis hinein in den Hof ​​des Hohenpriesters. Dort setzte er sich zu den Dienern und wärmte sich am Feuer. Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten nach einem Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu töten, fanden aber keinen. Denn viele sagten falsch gegen ihn aus, und ihre Aussagen widersprachen sich. Einige traten auf und sagten falsch gegen ihn aus: Wir haben ihn sagen hören: ‚Ich werde diesen Tempel, der mit Menschenhand erbaut ist, zerstören und in drei Tagen einen anderen bauen, der nicht mit Menschenhand erbaut ist.‘ Doch auch ihre Aussagen widersprachen sich. Da stand der Hohepriester auf, trat in ihre Mitte und fragte Jesus: Antwortest du nicht? Was haben diese Leute gegen dich auszusagen? Doch er schwieg und antwortete nicht. Wieder fragte ihn der Hohepriester: Bist du der Christus, der Sohn des Allerhöchsten? Jesus sagte: Ich bin es! Und ihr werdet den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels. Der Hohepriester aber zerriss seine Kleidung und sagte: Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört; was meint ihr dazu? Sie aber verurteilten ihn, dass er des Todes schuldig sei. Und einige begannen, ihn anzuspucken, ihm das Gesicht zu verhüllen und ihn mit Fäusten zu schlagen und ihm zu sagen: Weissage! Auch die Diener schlugen ihm ins Gesicht. Und als Petrus unten im Hof ​​war, kam eine der Dienerinnen des Hohepriesters. Als sie Petrus sah, wie er sich wärmte, blickte sie ihn an und sagte: Auch du warst mit Jesus von Nazareth. Doch er leugnete es und sagte: Ich weiß nicht und verstehe auch nicht, was du sagst. Dann ging er hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähte. Und als die Magd ihn sah, sagte sie wieder zu den Umstehenden: Dieser Mann gehört zu ihnen. Doch er leugnete es erneut. Wenig später sagten die Umstehenden wieder zu Petrus: Du gehörst doch zu ihnen, denn auch du bist ein Galiläer. Da verfluchte er sich und schwor: Ich kenne diesen Mann nicht, von dem ihr redet. Und der Hahn krähte ein zweites Mal. Da erinnerte sich Petrus an das Wort Jesu: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und als er sich daran erinnerte, weinte er. Und sogleich, früh am Morgen, beriefen die Hohenpriester, die Ältesten, die Schriftgelehrten und der gesamte Hohe Rat eine Versammlung ein. Und sie fesselten Jesus, führten ihn ab und übergaben ihn Pilatus. Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Da klagten ihn die Hohenpriester vieler Dinge an. Pilatus aber fragte ihn erneut: Antwortest du denn gar nichts? Sieh doch, wie viel sie gegen dich aussagen! Jesus aber schwieg, sodass Pilatus sich verwunderte. An dem Festtag aber pflegte er einen Gefangenen freizugeben, welchen sie begehrten. Es war aber ein Mann namens Barabbas gefesselt, zusammen mit seinen Mitstreitern, die während des Aufstands gemordet hatten. Und die Volksmenge schrie auf und fing an zu begehren, dass er täte, wie er ihnen allezeit getan hatte. Pilatus antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse? Denn er wusste, dass die Hohenpriester ihn aus Neid ausgeliefert hatten. Die Hohenpriester aber wiegelten das Volk auf, dass er ihnen lieber den Barabbas freigebe. Pilatus aber antwortete und fragte sie erneut: Was wollt ihr denn, dass ich mit dem tun soll, welchen ihr König der Juden nennt? Da schrien sie wieder: Kreuzige ihn! Pilatus aber fragte sie: Was hat er denn Böses getan? Doch sie schrien noch lauter: Kreuzige ihn! Pilatus nun, da er die Volksmenge besänftigen wollte, gab er ihnen den Barabbas frei und lieferte Jesus, nachdem er ihn hatte auspeitschen lassen, zur Kreuzigung aus. Dann brachten ihn die Soldaten in den Hof, in das Prätorium, und riefen die ganze Menge zusammen. Und sie legten ihm einen Purpurmantel um, flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf. Dann riefen sie ihm zu: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie schlugen ihm mit einem Schilfrohr auf den Kopf, bespuckten ihn, knieten vor ihm nieder und huldigten ihm. Und nachdem sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine eigene Kleidung wieder an und sie führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen. Und sie zwangen einen Vorübergehenden, einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater von Alexander und Rufus, sein Kreuz zu tragen. Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, was übersetzt heisst: Schädelstätte. Und sie gaben ihm Wein, mit Myrrhe vermischt zu trinken, er aber nahm es nicht an. Und als sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleidung untereinander, indem sie das Los darüber warfen, wer was bekommen sollte. Es war die dritte Stunde, und sie kreuzigten ihn. Über ihm wurde die Inschrift angebracht: Der König der Juden. Und mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken. So erfüllte sich die Schrift, die sagt: Und er wurde zu den Gottlosen gezählt. Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Ha! Du, der du den Tempel zerstörst und ihn in drei Tagen wieder aufbaust, rette dich selbst und steige herab vom Kreuz! Gleicherweise spotteten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten untereinander und sprachen: Andere hat er gerettet, sich selbst aber kann er nicht retten! Der Christus, der König Israels, soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir es sehen und glauben! Auch die, die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn. Als es aber die sechste Stunde war, kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und zur neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme und sagte: Eloi, Eloi, lama sabachthani?, was so viel heißt wie: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und als einige der Umstehenden das hörten, sagten sie: Seht, er ruft den Elias! Es lief aber einer von ihnen hin, und tauchte einen Schwamm in Essig und steckte ihn auf ein Schilfrohr und tränkte ihn und sprach: Wartet, wir werden sehen, ob Elias kommt und ihn herabnimmt. Jesus aber schrie laut auf und starb. Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Teile von oben bis unten. Als der Hauptmann, der ihm gegenüberstand, sah, dass er schrie und starb, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mann war Gottes Sohn! Auch einige Frauen sahen von Weitem zu, darunter Maria Magdalena und Maria, Jakobus` des Kleinen und Joses` Mutter, und Salome, welche auch, als er in Galiäa war, ihm nachgefolgt war und ihm gedient hatte, sowie viele andere, die mit ihm nach Jerusalem gekommen waren. Und als es schon Abend geworden war (es war der Rüsttag, der Tag vor dem Sabbat), kam Joseph von Arimathäa, ein angesehenes Mitglied des Hohen Rates, der auch selbst das Reich Gottes erwartete, und ging kühn zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. Pilatus wunderte sich, dass er schon gestorben war; und er rief den Hauptmann herzu und fragte ihn, ob er schon lange gestorben war. Und als er es von dem Hauptmann erfuhr, schenkte er Joseph den Leib. Und er kaufte feine Leinwand, nahm ihn herab und wickelte ihn in die feine Leinwand und legte ihn in eine Gruft, die aus einem Felsen ausgehauen war; und er wälzte einen Stein vor den Eingang der Gruft. Aber Maria Magdalena und Maria, Joses` Mutter, sahen zu, wo er hingelegt wurde. Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Salome wohlriechende Spezereien, auf dass sie kämen und ihn salbten. Und sehr früh am ersten Sabbat kamen sie zur Gruft, als die Sonne aufgegangen war. Und sie sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein von dem Eingang der Gruft wegwälzen? Und als sie aufsahen, sahen sie, dass der Stein weggewälzt war, er war nämlich sehr groß. Und als sie in die Gruft hineingingen, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, angetan mit einem weißen Gewand und sie entsetzten sich. Er aber spricht zu ihnen: Entsetzt euch nicht, ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht, da die Stätte, wo sie ihn hingelegt hatten. Aber geht hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er euch nach Galiläa vorausgeht, dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von der Gruft, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen und sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich. Als er aber früh am ersten Sabbat auferstanden war, erschien er zuerst Maria Magdalena, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Diese ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren; welche trauerten und weinten. Und als jene hörten, dass er lebe und von ihr gesehen worden war, glaubten sie es nicht. Nach diesem aber offenbarte er sich zweien von ihnen in anderer Gestalt, als sie aufs Land gingen. Und diese gingen hin und verkündeten es den Übrigen; aber auch denen glaubten sie nicht. Später, als sie zu Tisch lagen, offenbarte er sich den Elfen und tadelte sie wegen ihres Unglaubens und ihrer Herzenshärte, weil sie denen nicht geglaubt hatten, die ihn auferstanden gesehen hatten. Und er sprach zu ihnen: Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und diese Zeichen werden die begleiten, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; sie werden Schlangen mit ihren Händen aufheben; und wenn sie tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; sie werden Kranken die Hände auflegen, und sie werden gesund werden. Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen gesprochen hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Jene aber gingen hinaus und predigten überall, wobei der Herr mitwirkte und das Wort bestätigte durch die darauf folgenden Zeichen.

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